Düsterwald

Nachdem der kribbelige Augenblick vorbei war klang der Abend mit einem genussvollen Essen aus gefolgt von einem geruhsamen Schlaf. Voll mit Tatendrang und dennoch ein wenig gebremst startet der letzte Tag in Jasper, denn ab und an möchte der Körper auch regenerieren und das durfte er nach ungefähr hundertfünzig Kilometern Wandern in sieben Tagen auch. Die Entscheidung fiel auf eine kleine Tour im Nordwesten der Stadt und so ging es zu Beginn entlang der Gleise bevor der Pfad in die Wälder abbog. Eine kurzen aber knackigen Anstieg später fand ich mich auf eine ungefähr hundert Meter breiten, gezielt entwaldeten Streifen wieder, der dem Feuerschutz der Siedlung vor Waldbränden dienen soll. Dieser wurde im Zuge einer Maßnahme eingerichtet, in der im Vorfeld festgestellt wurde das Brände eine gewisse reinigende Wirkung haben und msn lediglich die Siedlungen schütz und den Wald sich selbst überlässt.Eine kurze Strecke bis wieder dichte Wälder erreicht wurden und der Ort immer weiter in die Ferne rückte. Die geplante Route sollte entlang zweier kleinerer Seen und über einen Berg führen und so brachte mich der Weg zunächst zum Lake Marjorie, einem recht versteckten See fern von einer Straße. Entlang des gegenüberliegenden Ufers führte ein Weg zum einem Zeltplatz der scheinbar nur zu Fuß erreichbar war. Der gewählt Weg führt allerdings weiter nordwärts durch immer dichter werdenden Wald bis dieser sich lichtete und den Lake Hibernia preis gab.Dies sollte aber auch der letzte Teil des Rundweges gewesen sein, denn nachdem eine kleine baufällige Holzbrücke überquert war, verengte sich der Pfad immer weiter und mehr und mehr umgestürzte Bäume lagen auf dem Weg. Offenbar ist seit längerem niemand hier entlang gekommen, weder Wanderer noch die Leute von Parks Canada, die sich unter anderem im den Erhalt der Wege kümmern. Wahrscheinlich war dies einer der weniger priorisierten Wege von Wanderern und wurde deshalb bei der Instandhaltung zurückgestellt und son entschied auch ich mich, das Begonnene nicht zu vollenden und lief den Weg zurück bis zu einer kleinen Kreuzung, bei der ich im früheren Verlauf bereits gestoppt hatte. Der hier angebrachten Karte folgend begab ich mich in direkt Richtung eines ohnehin geplanten Sees noch weiter nördlich, ohne die eigentlich geplante Runde abzuschließen. Ich erreichte den See durch erklimmen einer für Downhillfahrer gut geeigneten und auch gut benutzten Teilstrecke und legte eine kleine Pause am frühen Nachmittag ein bevor der Rückweg begann.Der bewusst eingeschlagene Bogen auf der Strecke zurück ins Tal führte zunächst durch einen kleinen Abschnitt, in dem die Instandsetzung der Wanderwege im vollen Gange war, überall frisch geschnitten Stämme, welche lediglich von dem Weg blockierenden Bäumen herausgenommen wurden, also nicht breiter als der Weg selbst, und kleine restaurierte Stege über Bachläufe zeugten von der Arbeit Parks Canada. Doch dann lag der wohl gruseligste Teil aller Wanderungen in dieser Reise vor mir, der Pfad führte steil hinab in ein kleines Tal, flankiert auf beiden von emporragenden Bergen übersäht mit dichtem Wald. Durch die Steilheit, den dichten Wald und wahrscheinlich auch der nördlichen Ausrichtung, welche wenig Licht an diesem eh schon trüben Tag in das Tal ließ, erschien dieser Abschnitt in einem düster, schaurigen Ambiente. Jeder, der die Märchen von Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen kennt hat sich solch einen Wald in seiner Kindheit sicher vorgestellt und ich war nun in genau diesem, immer wieder hatte man das Gefühl hinter dem nächsten Bau lauerte irgendeine Gefahr, gleich ob Wolf, Bär oder einer Hexe. Das gesamte Wegstück war kaum einen Kilometer lang und dennoch führte es zu solchen interessanten Gedanken, doch am Ende erstrahlte ähnlich den Märchen das Licht um so heller und gab den schönsten Blick auf einen kleinen, etwas abseits liegenden See nsmes Lake Mina frei.Entlang des farbenfrohen Ufers verfolgen die schaurigen Kinheitserinnerungen sehr schnell. Immer weiter talabwärts ging die Wanderung bis letztendlich die Unterkunft am nicht all zu späten Nachmittag erreicht wurde. Die verbleibende Zeit wurde genutzt um den Rucksack zu schnüren für die anstehende Weiterfahrt am folgenden Morgen und um ein bisschen zu entspannen bevor der letzte Abend in den Bergen bei abermals gutem Essen endete.Eine sehr kurze Nacht verblieb, und noch vor dem ersten Sonnenstrahl wurde der Rucksack aufgesetzt und es ging abermals zum Bahnhof für das letzte Teil der Zugfahrt quer durchs Land. Mit aufgehender Sonne setzte sich das fahrende Hostel in Bewegung und offenbarte vorerst letzte spektakuläre Ansichten auf die Rocky Mountains.Immer flacher werdend gingen die Berge auf dem Weg nach Kamloops langsam in bewaldete Hügel und mehr und mehr Farmen und Weideland über und so hieß es nun endgültig Abschied nehmen von den hohen, schneebedeckten Gipfel mit seinen kleinen, gastfreundlichen Ortschaften und der sagenhaften Natur. Der letzte Halt des Zuges, bevor eine weitere Nacht im großen gemeinsamen Schlafsaal verbracht wurde, war der mir bereits von einer Snowboardreise bekannte Ort Kamloops. Doch ähnlich dem Stopp damals, bei dem ich lediglich den Flughafen und den Highway in Richtubg der Berge kennen lernte, durfte dieses Mal nur der Bahnhof Nord begutachtet werden, ein hauptsächlich für Güterverkehr genutzter Gleispark.In der untergehenden Sonne und dem damit sich zu Ende neigenden Tages genehmigte ich mir die Spezialitäten im Bordrestaurant während die Landschaft an mir vorbei zog und langsam im Dunkel der Nacht verschwand.

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