Früh am Sonntagmorgen klingelte der Wecker und rief zum Verlassen der Unterkunft. Das Ziel lautete zunächst Union Station in Downtown Toronto, denn von hier sollte mein Zug beziehungsweise meine Unterkunft für die nächsten zweieinhalb Tage starten. Einen Check-In wie am Flughafen durchlaufend, lediglich die Leibesvisitation fehlte, kam ich der Abfahrt in Richtung Edmonton immer näher. Der in drei Reiseklassen aufgeteilte Zug analog moderne Flugzeuge bot einen beeindruckenden Anblick. Vorn angestellt göeich zwei Zugmaschinen, die in Deutschland ihresgleichen suchen reihten sich die Waggons der Economy Class, natürlich hatte ich diese gebucht, die Sleeper Class, eine mit 4-Bett-Kabinen ausgestattete Reiseklasse sowie die Prestige Class, welche kleine Apartments beinhaltete.

In dem schon etwas in die Jahre gekommenen, aber trotzdem immernoch intakten und bequemen Zug bezog ich meinen Platz direkt am Fenster. Reservieren konnte man keinerlei Plätze, aber aufgrund der übersichtlichen Auslastung hatten lediglich oftmals der männliche Teil mitreisender Paare keinen Platz an der Sonne. Pünktlich setzte sich der sehr lange Tross in Bewegung in nordwestlicher Richtung. Die Durchsage des Kapitäns, nein des Lokführers, ließ darauf schließen, was bist zum ersten sogenannten Major Stop auf die Fahrgäste an Ausblick zukommen wird, und zwar Trees, Rocks snd Lakes, also Bäume, Felsen und Seen so wie man die Provinz Ontario kennt.

An diesem sehr sonnigen Herbsttag konnte man das gebotene Schauspiel sehr gut genießen und sich in der oberhalb des Bordbistro gelegenen Kuppel sogar noch etwas mehr beeindrucken lassen. Immer wieder unterbrochen von kurzen Halten um die kilometerlangen Güterzüge aus der Gegenrichtung passieren zu lassen, ging die Fahrt durch die schier endlosen Wälder, aufgelockert durch tiefblaue Seen und einzelnen Felsformationen. Weitestgehend flach verlief die Landschaft, welche menschenleer erschien und doch hin und wieder durch einzelne Häuser oder kleinen Ortschaften aufgebrochen wurde.

Im Bordbistro zeigte die Systemgastronomie ihren wahren Künsten und man konnte die nordamerikanische Küche kosten. Und so ging es bei schmackhaften Cheeseburger und einer Coke dem Sonnenuntergang entgegen ohne das auch nur ein richtiger Halt eingelegt wurde, abgesehen von vereinzelten Raucherpausen in winzig kleinen Orten.

Die erste Nacht im bequem zum Liegeplatz umfunktionierbaren Sitz gleichte einem Mehrbettzimmer im Hostel. Man kannte sich, man grüßte sich und schluef im gleichen Schlafsaal, erstaunlicherweise war es allerdings ruhiger als im gemauerten Pendant.

Nach sehr erholsamen Schlaf, beruhigend beeinflusst vom leisen Klackern über die Gleise warteten Kaffee und Pancackes auf den hungrigen Magen. Weiterhin war kein großer Bahnhof in Sicht und auch die Natur hatte ihr Gesicht über nacht nicht geändert, ebenso befanden wir uns immernoch in der Provinz in der am Vortag die Reise begann. Erst am frühen Nachmittag wechselten wir in die Provinz Manitoba und mussten damit auch die Uhren eine Stunde zurückdrehen, aber sonst änderte sich nichts.

Am Abend erreichten wir Winnipeg, die Hauptstadt der Provinz. Den zweistündigen Aufenthalt nutzend ging es in einen kleinen Foodcourt in der Nähe des Bahnhofs. In dieser Fressmeile gab es für jeden Geschmack etwas und man konnte ein schönes Abendessen genießen bevor die zweite Nacht in der rollenden Jugendherberge anbrach.

Am vorerst letzten Tag der Fahrt erreichten wir recht früh die Provinz Saskatchewan, welche sich von ihrer unwirtlichen Seite zeigte mit Temperaturen um die Null Grad und vereinzelten Schneefällen. Ebenso hatte sich die Landschaft seit dem Stopp am Vorabend dahingehend verändert das nun endlose Felder und Weiden die Gleise säumten, immer wieder von riesigen Farmen unterbrochen. Der späte Vormittag brachte uns nach Saskatoon, der größten Stadt der Provinz. Allerdings stoppten wir hier im Güterbahnhof, welcher gleichzeitig auch der Ein- und Ausstieg für Gäste unseres Zuges diente. Der anderthalb stündige Aufenthalt gestaltete sich allerdings als etwas zäh da weder das Wetter noch die fehlenden Amüsiermöglichkeiten für ein rasches Voranschreiten der Zeit verhalfen.

Nachdem dieser Zwischenstopp und dem Betanken des Zuges erfolgt waren setzen wir uns wieder in Bewegung und erreichten nach Sonnenuntergang den Ziwlort meiner Fahrt, Edmonton. Angekommen in der nunmehr vierten Provinz seit Betreten des Fahrzeugs, musste die Uhr erneut eine Stunde zurückgestellt werden. Allein auf diesem Teilstück meiner Reise zeigte sich die wahnsinnige Größe des Landes. In der Hauptstadt Albertas war die Suche nach einer Unterkunft angesagt, welche recht schnell erfolgreich abgeschlossen werden konnte und der Tag ein Ende fand nach über 60 Stunden im fahrenden Hostel.

One thought on “Das fahrende Hostel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.